Diskurs 2022 – Kunst und Klima

Logo Diskurs Bayreuth

4 Audiowalks
24.07. bis
31.08.2022

Am Ende der “Götterdämmerung” ist die Weltesche nur noch Brennholz. Wagners “Ring des Nibelungen” ist voller Bilder, die den Untergang der Götter mit der Zerstörung der Natur in Verbindung bringen. Schon 1850 hat Richard Wagner in seiner Schrift “Kunst und Klima” auf das Verhältnis von Kunst und Umwelt reagiert – wobei er nicht zuletzt das geistige Klima meinte. “Diskurs Bayreuth” erforscht die Wechselwirkungen: Welche Ansprüche werden heute an die Kunst gerichtet? Hat sie ihre Autonomie verspielt? War sie jemals autonom? Welches Erneuerungspotenzial findet sich aus heutiger Sicht in Wagners „Kunstwerk der Zukunft“, das er sich als das „denkbare gemeinsame Werk der Menschen“ vorstellte? Hat er dies im “Ring des Nibelungen” verwirklicht? 

“Diskurs Bayreuth” verlässt in diesem Jahr die geschlossenen Gelehrtenstuben und geht hinaus in die Stadt und in die Natur. Auf vier diskursiven Pilgerpfaden, die vom Publikum für die Dauer der Festspiele mit Smartphone und Kopfhörern erschlossen werden können, verwandelt sich die Festspielstadt in ein Theoriegelände, wo Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft, Autonomie und Gesamtkunstwerk befragen.

Mit Gesprächsausschnitten und Gedanken von Chaya Czernowin, Ulrich Konrad, Gundula Kreuzer, Konrad Kuhn, Thomas Macho, Cornelius Meister, Herfried Münkler, Isabel Mundry, Sergej Newski, Holger Noltze, Roland Schwab, Valentin Schwarz und Wolfgang Ullrich

Konzeption, Gespräche, Redaktion: Patrick Hahn, Marie Luise Maintz

Wie funktioniert’s

Was brauche ich dafür?
Ein mit dem Internet verbundenes Smartphone, idealerweise Kopfhörer (steigert das Erlebnis, funktioniert aber auch ohne), Lust an Spaziergängen, zu Fuß und geistig.

Wie komme ich zu den Inhalten?
Wenn Sie eines unserer Plakate sehen, scannen Sie den QR-Code mit der Kamera Ihres Smartphones und spielen Sie den sich öffnenden Beitrag ab.

Wie finde ich die QR Codes?
Die Standorte unserer QR Codes haben wir in der Navigations-App Komoot (Gratisdownload) für Sie hinterlegt.

4 Audiowalks – Themen und Stationen

Biografien

Chaya Czernowin ist in Israel geboren und aufgewachsen. Nach ihrem Studium in Israel setzte sie im Alter von 25 Jahren ihre Studien in Deutschland (DAAD-Stipendium) und in den USA fort und lebte dann in Tokio, Japan (Asahi Shimbun-Stipendium und amerikanisches NEA-Stipendium), und in Deutschland (Stipendium an der Akademie Schloss Solitude). Ihre Musik wird weltweit von den besten Orchestern und Interpreten neuer Musik aufgeführt. Sie hatte eine Professur an der UCSD inne und war die erste Frau, die als Kompositionsprofessorin an die Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (2006-2009) und an die Harvard University, USA (2009 – bis heute) berufen wurde, wo sie die Walter Bigelow Rosen Professor of Music ist. Zusammen mit Steven Kazuo Takasugi und Jean-Baptiste Joly, dem Leiter der Akademie Schloss Solitude bei Stuttgart, gründete sie die Sommerakademie auf Schloss Solitude, einen alle zwei Jahre stattfindenden Kurs für Komponisten (2003-2019). Takasugi und Czernowin unterrichteten auch bei Tzlil Meudcan, einem internationalen Kurs in Israel, der von Yaron Deutsch vom Ensemble Nikel gegründet wurde.

Patrick Hahn ist Autor, Dramaturg und Musikmanager. Er studierte an der Universität zu Köln Musikwissenschaften, deutsche Literatur und Philosophie und arbeitete daneben als Journalist für Rundfunkanstalten wie den WDR und für Zeitschriften wie die Neue Musikzeitung. 2012 ausgezeichnet mit dem Reinhard-Schulz-Preis für zeitgenössische Musikpublizistik. Von 2011-15 Dramaturg an der Oper Stuttgart, seit 2015 Künstlerischer Programmplaner des Gürzenich-Orchester Köln. Ein Schwerpunkt seines Schaffens liegt auf der Entwicklung neuer Zwischenformen zwischen Konzert und Theater und er schrieb Libretti für Opern- und Konzertwerke für Komponisten wie Mark Andre oder Vito Žuraj.

Ulrich Konrad studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Geschichte in Bonn und Wien. 1983 Promotion, 1991 Habilitation, 1993 Professor an der Musikhochschule Freiburg, seit 1996 Ordinarius an der Universität Würzburg. Konrad hat zahlreiche Publikationen zur Musikgeschichte des 17. bis 20. Jahrhunderts vorgelegt und gibt die historisch-kritischen Edition „Richard Wagner Schriften (RWS)“ heraus. Konrad ist Mitglied mehrerer nationaler wie internationaler Wissenschaftsorganisationen und Akademien.

Gundula Kreuzer ist Professorin für Musikgeschichte an der Yale University. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Oper des 19. Jahrhunderts sowie Fragen der Historiographie, Inszenierungsgeschichte, Bühnentechnik und des zeitgenössischen experimentellen Musiktheaters. Zu ihren vielfach preisgekrönten Schriften zählen die Monografien “Verdi and the Germans: From Unification to the Third Reich” (Cambridge 2010) und “Curtain, Gong, Steam: Wagnerian Technologies of Nineteenth-Century Opera” (Oakland 2018).

Konrad Kuhn studierte Komparatistik und Theaterwissenschaft in Berlin und war zunächst Schauspieldramaturg u.a. am Burgtheater Wien. Von 1999 bis 2003 war er am Staatstheater am Gärtnerplatz engagiert, von 2009 bis 2012 am Opernhaus Zürich. Gastengagements führten ihn u.a. an die Staatsoper in Berlin, die Opéra national de Paris, die Wiener Staatsoper (Tannhäuser), das Theater an der Wien, das Teatro Real Madrid, das Teatro Comunale Bologna, zu den Osterfestspielen Baden-Baden und zu den Salzburger Festspielen. Er hat mit Regisseuren wie Achim Freyer, Harry Kupfer (Die Meistersinger von Nürnberg in Zürich) und Luc Bondy zusammen gearbeitet sowie mit Dirigenten wie Zubin Mehta, Daniele Gatti, Nello Santi und Philippe Jordan. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit verbindet ihn mit Tobias Kratzer, Claus Guth und mit Robert Wilson. Seit 2015 ist Konrad Kuhn Dramaturg an der Oper Frankfurt. Er ist außerdem als literarischer Übersetzer und Herausgeber tätig.

Thomas Macho forschte und lehrte von 1993 bis 2016 als Professor für Kulturgeschichte am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. 1976 wurde er an der Universität Wien mit einer Dissertation zur Musikphilosophie promoviert; 1984 habilitierte er sich für das Fach Philosophie an der Universität Klagenfurt mit einer Habilitationsschrift über Todesmetaphern. Seit 2016 leitet er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) der Kunstuniversität Linz in Wien. 2019 wurde er mit dem Sigmund Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet, 2020 mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik.

Marie Luise Maintz ist Musikwissenschaftlerin und Dramaturgin. Sie studierte und promovierte in Bonn. Als Opern- und Konzertdramaturgin war sie u.a. an der Staatsoper Stuttgart, der Alten Oper Frankfurt, sowie in Darmstadt, Bonn und Aachen tätig. Sie ist seit 2007 beim Bärenreiter Verlag Kassel als Projektleiterin für Zeitgenössische Musik und Dramaturgie tätig und arbeitet als Autorin und Programmgestalterin. Seit 2017 ist sie als Programmplanerin der Programmreihe „Diskurs Bayreuth“ der Bayreuther Festspiele tätig, 2021 realisierte sie das Online-Programm „Ist die Zukunft digital? Musiktheater und virtueller Raum“.

Cornelius Meister ist seit 2018 GMD der Staatsoper und des Staatsorchesters Stuttgart und war 2017-2020 Principal Guest Conductor des Yomiuri Nippon Symphony Tokyo. Er studierte bei K. Meister, M. Brauß, E. Ōue, D. R. Davies, J. Rotter und K. Kamper. Seit 2001 dirigiert er an den Staatsopern Hamburg, Wien, München, Covent Garden London, Scala Mailand, Semperoper Dresden, Metropolitan Opera New York, Deutsche Oper Berlin, Zürich, Kopenhagen, San Francisco, Tokio. Konzerte mit den führenden Orchestern von Amsterdam, Rom, Washington, Helsinki, Zürich, Tokio, Stockholm, Kopenhagen, Paris, Berlin, Hamburg, München. 2022 dirigiert er den „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen.

Herfried Münkler hatte von April 1992 bis September 2018 den Lehrstuhl Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Seit 1993 ist er Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Politische Theorie und Ideengeschichte, Politische Kulturforschung, Theorie und Geschichte des Krieges sowie Risiko und Sicherheit als sozio-politische Kategorien. Für sein Buch „Die Deutschen und ihre Mythen“ erhielt er 2009 den Preis der Leipziger Buchmesse. Sein Werk „Der Dreißigjährige Krieg“ erregte großes Interesse in Medien und Öffentlichkeit. 2019 hat er gemeinsam mit seiner Frau das Buch „Abschied vom Abstieg“ veröffentlicht. 2021 das Buch „Marx, Wagner Nietzsche. Welt im Umbruch“.
Isabel Mundry studierte Komposition bei Frank Michael Beyer, Gösta Neuwirth und Hans Zender in Berlin und Frankfurt. 1996-2004 war sie Professorin für Komposition und Musiktheorie in Frankfurt a. M.. Seit 2004 lehrt sie Komposition an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2011 zudem an der Hochschule für Musik und Theater München. 2002/3 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin. Composer in Residence war sie u. a. bei dem Lucern Festival, der Staatskapelle Dresden, der Biennale Lyon und dem Menuhin-Festival Gstaad. Sie ist Mitglied der Akademien der Künste Berlin und München. Ihre Werke wurden u. a. von dem Philharmonischen Orchester Berlin, dem Chicago Symphony Orchestra und der Staatskapelle Dresden interpretiert. Sie erhielt zahlreiche Preise, u. a. den Siemens-Förderpreis und den Busoni Preis.

Sergej Newski wurde in Moskau geboren und besuchte dort das College am Staatlichen Tschaikowski-Konservatorium. In Dresden und Berlin studierte er Komposition bei Jörg Herchet und Friedrich Goldmann sowie Musiktheorie und Musikpädagogik bei Hartmut Fladt. Er erhielt Kompositionsaufträge von internationalen Opernhäusern und Festivals und wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, darunter 2014 der Kunstpreis Berlin und 2006 der 1. Preis bei dem Kompositionswettbewerb der Landeshauptstadt Stuttgart für das Stück Fluss (Version 2005). 2012 wurde seine Oper Franziskus am Bolschoi Theater Moskau uraufgeführt, sowie 2020 die Oper Secondhand-Zeit (Boris) an der Staatsoper Stuttgart.

Holger Noltze ist Musikjournalist und seit 2005 Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund, wo er den Studiengang Musikjournalismus aufgebaut hat. Er studierte Germanistik und Geschichte in Bochum und Madrid und promovierte über Wolframs „Parzival“. Von 2000 bis 2005 war Holger Noltze Ressortleiter Aktuelle Kultur beim Deutschlandfunk. Holger Noltze ist mit Features und Beiträgen im WDR zu hören und schreibt u. a. für Opernwelt und die ZEIT. Noltze veröffentlichte u.a. die opern- und kulturgeschichtliche Darstellung „Liebestod. Wagner, Verdi, Wir“ (2013). Außerdem „Die Leichtigkeitslüge. Über Musik, Medien und Komplexität“ (2010) Zuletzt erschien „World Wide Wunderkammer. Ästhetische Erfahrung in der digitalen Revolution.“ (2020). Holger Noltze ist Mitgründer der Online-Plattform takt1.de für klassische Musik.

Roland Schwab wurde 1969 in Saint Cloud geboren und wuchs in München auf. Nach Studiensemestern in Physik und Germanistik begann er 1992 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg das Studium der Musiktheater-Regie unter Prof. Götz Friedrich. Besonders Ruth Berghaus, deren Meisterschüler er 1994 wurde, verdankte er wichtige Impulse. 1997 brachte ihn ein Gastspiel ans Berliner Ensemble, wo er „Frank Alert meets Brecht“ inszenierte. Nach seinem Studium in Hamburg, das er mit Auszeichnung abschloss, war Roland Schwab von 1998 an Assistent von Christine Mielitz am Meininger Theater („Der Ring des Nibelungen“), an welchem er schließlich als Oberspielleiter wirkte. In den darauffolgenden Jahren war Roland Schwab als freiberuflicher Regisseur an etlichen Bühnen im In- und Ausland tätig. Wichtige Arbeiten der letzten Zeit waren u.a. „A Rake’s Progress“ an der Oper Dortmund, „Guillaume Tell“ am Saarländischen Staatstheater, „Oberst Chabert“ an der Oper Bonn, „Otello“ am Aalto-Theater, „Aida“ an der Danish National Opera, „Ulenspiegel“ am Internationalen Brucknerfest Linz sowie „Lohengrin“ in der Felsenreitschule Salzburg. Besondere Beachtung fanden seine Arbeiten für die Deutsche Oper Berlin, „Mozart-Fragmente“, „Tiefland“ und „Don Giovanni“ sowie „Mefistofele“ an der Bayerischen Staatsoper.

Der österreichische Regisseur Valentin Schwarz studierte Musiktheater-Regie, Volkswirtschaftslehre und Philosophie in Wien. Während seines mit Auszeichnung abgeschlossenen Regiestudiums debütierte er mit Debussys “Le Martyre de Saint Sébastien” und Lehárs “Giuditta”. 2017 gewann er beim internationalen Regiewettbewerb “Ring Award Graz” gemeinsam mit seinem Ausstatter Andrea Cozzi den Hauptpreis, den Publikumspreis sowie zahlreiche Sonderpreise in Form von Inszenierungsangeboten. Ihr prämiertes Siegerkonzept von Donizettis “Don Pasquale” wurde als Koproduktion an der Opéra National de Montpellier und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe verwirklicht. In der Folge inszenierte er u. a. an der Oper Köln (M. Kagel: “Mare nostrum” und Y. Höller: “Der Meister und Margarita”), am Staatstheater Darmstadt (Verdis “Un ballo in maschera” und Puccinis “Turandot”) und der Staatsoperette Dresden (Offenbach: “Die Banditen”). Weitere Einladungen führen ihn an die Staatsoper Stuttgart (“Demo[kratie]”), das Deutsche Nationaltheater Weimar (Bizet: “Carmen” und Bartók: “Herzog Blaubarts Burg”) und das Theater an der Wien (Mozart: “Così fan tutte” an der Kammeroper). Wichtige künstlerische Impulse gewann er als Assistent in der Zusammenarbeit mit Jossi Wieler, Armin Petras und Kirill Serebrennikov. 2022 inszeniert Valentin Schwarz für die Bayreuther Festspiele die Neuproduktion von Wagners “Ring des Nibelungen”.

Wolfgang Ullrich lebt, nach Stationen in München und Karlsruhe, als Kulturwissenschaftler und freier Autor in Leipzig. In seinen Publikationen beschäftigt er sich mit der Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, mit bildsoziologischen Themen sowie mit Konsumtheorie. Zusammen mit Annekathrin Kohout gibt er die Buchreihe „Digitale Bildkulturen“ im Verlag Klaus Wagenbach heraus. – Jüngste Bücher: Selfies. Die Rückkehr des öffentlichen Lebens (2019); Feindbild werden. Ein Bericht (2020); Die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie (2022).