Aufführungsdatenbank

Theo Adam

Er gehörte 1936-42 dem Dresdner Kreuzchor an, wurde dann im Zweiten Weltkrieg Soldat und arbeitete nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft in der Nähe von Andernach als Landarbeiter. 1946 nach Dresden zurückgekehrt, begann er ein Studium als Volksschullehrer. Nachdem man seine schöne Stimme entdeckt hatte, wurde er durch Rudolf Dittrich auf die Solistenlaufbahn vorbereitet. 1949 debütierte er an der Staatsoper von Dresden als Tschernjakowsky im »Boris Godunow« und sang dann den Eremiten im »Freischütz«. Er blieb während seiner ganzen langen Karriere Mitglied dieses traditionsreichen Hauses. 1952 trat er erstmals bei den Bayreuther Festspielen auf, und zwar als Hermann Ortel in den »Meistersingern«. Für fast drei Jahrzehnte gehörte er zu den bedeutendsten Sängern dieser Festspiele. 1963-75 hörte man ihn dort als Wotan im Nibelungenring, eine Glanzrolle, in der er in aller Welt bewundert wurde. Noch 1980 übernahm er in Bayreuth die Partie des Gurnemanz im »Parsifal«, den er dort 1976-80 vortrug. Man bewunderte ihn in Bayreuth auch als König Heinrich im »Lohengrin« (1954, 1959-60) als Hans Sachs (1968-70, 1973-75) wie als Pogner (1960-61, 1963) in den »Meistersingern«. als Reinmar von Zweter im »Tannhäuser« (1954, 1961), als Fasolt im »Rheingold« (1958), als Titurel (1954, 1959) und als Amfortas im »Parsifal« (1965, 1972-73), dazu in einigen kleineren Rollen. Er sang neben seinen Wagner-Heroen meisterhaft eine Vielzahl weiterer Partien: den Don Giovanni von Mozart und den Pizarro im »Fidelio«, den Boris Godunow von Mussorgsky und den Titelhelden im »Wozzeck« von A. Berg, den König Philipp im »Don Carlos« von Verdi und den Ochs im »Rosenkavalier«, den Jochanaan in »Salome« und den Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, den Scarpia in »Tosca« und die Titelpartie in »Cardillac« von P. Hindemith. Seit 1957 war er auch Mitglied der Staatsoper Berlin, durch Gastspielverträge war er mit dem Opernhaus von Frankfurt a.M. verbunden. Dresden blieb jedoch seine eigentliche künstlerische Heimat. Hier sang er 1961 in der Gala-Aufführung zum 50. Jahrestag der Uraufführung des »Rosenkavaliers« den Ochs auf Lerchenau. Am 13.2.1985 wirkte er in der Eröffnungsvorstellung der neu erbauten Dresdner-Semper-Oper als Eremit im »Freischütz« und in der folgenden »Rosenkavalier«-Aufführung als Ochs mit (Mitschnitte dieser Aufführungen auf Denon-Platten). Man bewunderte immer wieder neben der Schönheit und der Kraft seiner Stimme sein eminentes darstellerisches Talent. Er wurde zum Ehrenmitglied und zum Präsidenten des Kuratoriums der Dresdner Oper ernannt. Von seinen vielen Gastauftritten können nur einige genannt werden; er gastierte an den Staatsopern von Wien (immer wieder in der langen Zeitspanne 1954-93), Hamburg, München und Stuttgart, am Opernhaus von Köln (1979 als Hans Sachs), am Bolschoj Theater Moskau, am Teatro Colón von Buenos Aires, an den Nationalopern von Prag, Budapest und Warschau, an der Oper von Rom (1968 als Wotan), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1965-66), am Teatro San Carlos Lissabon, an der Covent Garden Oper London (Antrittspartie Wotan 1967) und an der Grand Opéra Paris. Bei den Salzburger Festspielen trat er sehr oft in Erscheinung; er sang dort 1970 sowie 1982-83 den Pizarro, 1972 den Wozzeck, 1990 den La Roche im »Capriccio« von R. Strauss, wirkte 1981 in der Uraufführung der Oper »Baal« von F. Cerha in der Titelrolle mit und sang in konzertanten Aufführungen von »Karl V.« von E. Krenek (1980), »Penthesilea« von O. Schoeck (1982), »Dantons Tod« von G.von Einem (1983) und von F. Schrekers »Die Gezeichneten« (1984); 1987-88 trat er in Salzburg als Moses in »Moses und Aron« von Schönberg auf, 1995 nochmals als Schigolch in »Lulu« von A. Berg. Er war bei den Festspielen von Edinburgh zu Gast und sang in den USA u.a. an den Opern von Chicago und San Francisco. 1969 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen, an der er als Antrittsrolle den Hans Sachs sang und während drei Spielzeiten (insgesamt in 14 Vorstellungen, auch als Wotan im »Rheingold« und in der »Walküre«) auftrat. Am 16.2.1974 wirkte er an der Berliner Staatsoper, an der er auch seit 1972 als Regisseur tätig war, in der Uraufführung der Oper »Einstein« von Dessau in der Titelrolle mit, 1984 sang er bei den Festspielen von Salzburg den Prospero in der Uraufführung von Luciano Berios »Un Re in Ascolto«. 1982 gastierte er erstmals am Deutschen Opernhaus Berlin, und zwar als Hans Sachs. Beim Festival von Aix-en-Provence hörte man ihn 1994 als Sprecher in der »Zauberflöte«, in Kopenhagen 1996 als Schigolch in »Lulu« von A. Berg. Weltweit war er als Konzert- und Oratoriensänger, vor allem als Bach-Interpret, berühmt. Er gab seine Erinnerungen unter den Titeln »Seht, hier ist Tinte, Feder und Papier..« (Berlin, 1983) und »Ein Sängerleben in Begegnungen und Verwandlungen« (Berlin, 1996) heraus.

Nach:
Kutsch, K. J. und Riemens, Leo. Großes Sängerlexikon. München: K.G. Saur, 1999

Mitwirken in Bayreuth

JahrWerkFunktion/Rolle
1980ParsifalGurnemanz
1979ParsifalGurnemanz
1978ParsifalGurnemanz
1977ParsifalGurnemanz
1976ParsifalGurnemanz
1976Die Meistersinger von NürnbergHans Sachs, Schuster
1975SiegfriedDer Wanderer
1975Die WalküreWotan
1975Das RheingoldWotan
1975Die Meistersinger von NürnbergHans Sachs, Schuster
1974SiegfriedDer Wanderer
1974Die WalküreWotan
1974Das RheingoldWotan
1974Die Meistersinger von NürnbergHans Sachs, Schuster
1973SiegfriedDer Wanderer
1973Die WalküreWotan
1973Das RheingoldWotan
1973ParsifalAmfortas
1973Die Meistersinger von NürnbergHans Sachs, Schuster
1972SiegfriedDer Wanderer
1972Die WalküreWotan
1972Das RheingoldWotan
1972ParsifalAmfortas
1971SiegfriedDer Wanderer
1971Die WalküreWotan
1971Das RheingoldWotan
1970SiegfriedDer Wanderer
1970Die WalküreWotan
1970Das RheingoldWotan
1970Die Meistersinger von NürnbergHans Sachs, Schuster
1969SiegfriedDer Wanderer
1969Die WalküreWotan
1969Das RheingoldWotan
1969Die Meistersinger von NürnbergHans Sachs, Schuster
1969Der fliegende HolländerDer Holländer
1968Die WalküreWotan
1968Das RheingoldWotan
1968Die Meistersinger von NürnbergHans Sachs, Schuster
1967SiegfriedDer Wanderer
1967Die WalküreWotan
1967Das RheingoldWotan
1966SiegfriedDer Wanderer
1966Das RheingoldWotan
1966Die WalküreWotan
1965ParsifalAmfortas
1965Die WalküreWotan
1965Das RheingoldWotan
1964Die WalküreWotan
1964Das RheingoldWotan
1963Das RheingoldWotan
1963Die Meistersinger von NürnbergVeit Pogner, Goldschmied
1961TannhäuserReinmar von Zweter
1961Die Meistersinger von NürnbergVeit Pogner, Goldschmied
1961Parsifal2. Gralsritter
1960Die Meistersinger von NürnbergVeit Pogner, Goldschmied
1960LohengrinHeinrich der Vogler
1960Parsifal2. Gralsritter
1959LohengrinHeinrich der Vogler
1959ParsifalTiturel
1958Das RheingoldFasolt
1954TannhäuserReinmar von Zweter
1954Lohengrin4. Edler
1954LohengrinHeinrich der Vogler
1954Das RheingoldFasolt
1954ParsifalTiturel
1954Parsifal2. Gralsritter
1953Tristan und IsoldeEin Steuermann
1953Lohengrin4. Edler
1953Parsifal2. Gralsritter
1952Die Meistersinger von NürnbergHermann Ortel, Seifensieder

* 01.08.1926 in Dresden

† 10.01.2019 in Dresden

Stimmlage: Baß-Bariton

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