Gerade im Jahr ihres 150-jährigen Bestehens sind sich die Bayreuther Festspiele ihrer historischen Verantwortung bewusst – sowohl im Hinblick auf die antisemitischen Ansichten Richard Wagners als auch auf die spätere enge Verflechtung der Festspiele und Teilen der Familie Wagner mit dem Nationalsozialismus und seinen Repräsentanten.
Nach der Eröffnung der Festspiele mit dem Festakt am 25. Juli möchten wir daher am darauffolgenden Vormittag, dem 26. Juli 2026 um 10:30 Uhr im Festspielhaus, an jene jüdischen Künstlerinnen und Künstler erinnern, deren Wirken auf dem Grünen Hügel durch Judenhass, Verfolgung und Ermordung ein Ende fand.
Wir schätzen uns glücklich, dass Herr Prof. Dr. jur. Dr. phil. Michel Friedman sich trotz der Ereignisse der vergangenen Wochen, die die öffentliche Wahrnehmung unseres Anliegens erheblich belastet haben, erneut bereit erklärt hat, in seiner Gedenkrede zum Thema „Über Bayreuth, über Deutschland. Versuch einer Gesellschaftsanalyse“ die historische Verantwortung Bayreuths in den größeren Kontext der deutschen Geschichte und Gegenwart einzuordnen.
Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung durch Kammermusik von Gustav Mahler und Pavel Haas sowie durch Richard Wagners Siegfried-Idyll, dirigiert von Semyon Bychkov.
https://www.bayreuther-festspiele.de/programm/auffuehrungen/gedenkveranstaltung/
Der Eintritt ist frei (Zählkarten). Spenden sind herzlich erbeten und kommen über das Keshet Eilon Music Center jungen israelischen Musikerinnen und Musikern zugute.
„Es war mir ein ganz besonderes Anliegen, dass diese Veranstaltung wie geplant stattfinden kann. Die Auseinandersetzung auch mit den dunklen Aspekten der Geschichte der Bayreuther Festspiele sind für mich als Festspielleiterin von zentraler Bedeutung. Meine Freude ist daher groß, Michel Friedman im Festspielhaus willkommen heißen zu dürfen“, so Katharina Wagner.
„Katharina Wagner und ich gehen aufeinander zu, weil das Ziel, über Richard Wagners Judenhass und die Verstrickung mit Adolf Hitler bis weit in das 20. Jahrhundert hinein an diesem symbolträchtigen und wichtigen Jahrestag demonstrativ und konstruktiv diskutiert werden soll. Besonders beeindruckt hat mich, dass Katharina Wagner den Erlös der Veranstaltung jungen israelischen Musikerinnen und Musikern zuteil werden lässt. Damit wird ein wichtiges politisches Signal gegen den israelbezogenen Antisemitismus und den autoritären Boykott gegen israelische Künstlerinnen und Künstler gesetzt.“, so Friedmans Erwiderung.
Die Gedenkveranstaltung „Verstummte Stimmen“ findet statt in Kooperation mit dem gleichnamigen Ausstellungsprojekt „Verstummte Stimmen“ über die Vertreibung jüdischer Künstlerinnen und Künstler von deutschen Bühnen.
