Bayreuther Festspiele

Selena Jurinac

* 24.10.1921 in Travnik, Bosnien
† 22.11.2011 in Augsburg

Eigentlicher Name Srebrenka Jurinac. Sie war die Tochter eines jugoslawischen Arztes und einer Wienerin. Sie studierte an der Musikakademie von Zagreb und war Schülerin von Mila Kostrencic. 1942 debütierte sie am Opernhaus von Zagreb als Mimi in Puccinis »La Bohème«. Sie sang dort in den folgenden zwei Jahren Partien wie die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Freia im »Rheingold«, die Isabella in der Premiere von Werner Egks »Columbus« und Rollen in jugoslawischen Opern. 1944 wurde sie an die Wiener Staatsoper berufen, konnte dort aber erst 1945 in der ersten Vorstellung einer Oper nach Kriegsende als Cherubino in »Figaros Hochzeit« debütieren. Bald hatte sie in Wien wie bei Gastspielauftritten in den Zentren des internationalen Musiklebens glänzende Erfiolge zu verzeichnen. Sie sang bei den Festspielen von Salzburg, Edinburgh und Glyndebourne (1949-55 u.a. Fiordiligi in »Così fan tutte«, Donna Anna und Donna Elvira im »Don Giovanni«, Gräfin und Cherubino in »Figaros Hochzeit«, Ilia in »Idomeneo«, Komponist in »Ariadne auf Naxos«), beim Maggio musicale Florenz (1952 Lisa in »Pique Dame« von Tchaikowsky) und beim Holland Festival. An der Mailänder Scala übernahm sie als Antrittsrolle 1948 den Cherubino, eine ihrer größten Kreationen, an der Oper von San Francisco hörte man sie 1959 als Butterfly, an der Chicago Opera 1963 als Desdemona in Verdis »Othello«. Auch am Teatro Colón Buenos Aires kam sie zu bedeutenden Erfolgen. Bei den Salzburger Festspielen sang sie im einzelnen: 1947 die Dorabella in »Così fan tutte«, 1948 den Cherubino und den Amor und 1959 die Eurydike im »Orpheus« von Gluck, 1957-58 die Marzelline im »Fidelio«, 1958 und 1950 die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, 1960 und 1963-64 den Octavian im »Rosenkavalier« (u.a. auch in der Eröffnungsvorstellung des neuen Festspielhauses 1960), 1962 die Gräfin in »Figaros Hochzeit« und 1964 den Komponisten in »Ariadne auf Naxos«; sie trat dazu in Salzburg in Konzertveranstaltungen auf. 1947, 1959-63, 1965 und 1973 war sie als Gast an der Londoner Covent Garden Oper zu hören. 1961 hatte sie dort einen ihrer größten Erfolge als Leonore im »Fidelio«; sie sang an der Covent Garden Oper später auch die Marschallin im »Rosenkavalier« und die Iphigenie in Glucks »Iphigenie auf Tauris«. Bei den Festspielen von Bayreuth wirkte sie 1957 als Eva in den »Meistersingern« mit. Sie galt als eine der größten Mozart-Interpretinnen innerhalb ihrer künstlerischen Generation; eine weitere große Rolle war für sie der Octavian im »Rosenkavalier«. Im Laufe der Zeit, etwa seit 1957, fügte sie in ihr Repertoire die schwereren lyrisch-dramatischen Partien ein: die Donna Anna, die Gräfin in »Figaros Hochzeit« (die sie seit ihrem ersten Engagement in Zagreb nicht mehr gesungen hatte), die Pamina in der »Zauberflöte«, die Elisabetta im »Don Carlos«, die Desdemona im »Othello«, die Butterfly und die Iphigenie in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck, die Titelrolle und schließlich die Kostelnicka in »Jenufa« von Janácek. Seit 1968 war sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. 1983 nahm sie von ihrem Wiener Opernpublikum, das sie so sehr verehrt hatte, in der Partie der Marschallin Abschied. Die Sängerin war seit 1953 in erster Ehe mit dem Bariton Sesto Bruscantini (* 1919), seit 1961 in zweiter Ehe mit dem Augsburger Chirurgen Dr. Josef Lederle verheiratet; sie nahm in Augsburg auch ihren Wohnsitz. - Hervorragend schöne, in der Kunst der Phrasierung und der frischen Natürlichkeit des Vortrages immer wieder bewunderte Sopranstimme.

Nach:
Kutsch, K. J. und Riemens, Leo. Großes Sängerlexikon. München: K.G. Saur, 1999



Pitch of voice:
Sopran

Engagements in Bayreuth

Year Opera Part
1957 Die Meistersinger von Nürnberg Eva, Pogners Tochter



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