Bayreuther Festspiele

Siegfried
Siegfried
Siegfried Siegfried Siegfried
Siegfried Siegfried

Siegfried

Besetzung 2009

Musikalische Leitung Christian Thielemann
Regie Tankred Dorst
Bühnenbild Frank Philipp Schlößmann
Kostüme Bernd Skodzig
Dramaturgie Norbert Abels
 
Siegfried Christian Franz
Mime Wolfgang Schmidt
Der Wanderer Albert Dohmen
Alberich Andrew Shore
Fafner Ain Anger
Erda Christa Mayer
Brünnhilde Linda Watson
Waldvogel Christiane Kohl

Zur Inszenierung

Von Norbert Abels, 2006

Anmerkungen zu Tankred Dorsts Inszenierung des „Rings der Nibelungen“

Siegfried

Seit 26 Jahren umkreist Dorst die Merlin-Welt, hält sein „wüstes Land“ in Bewegung, setzt erst vor kurzem mit der modernen Semi-Oper „Purchells Traum von König Artus“ diese unendliche Annäherung fort.

 

26 Jahre vergingen, bis Richard Wagner sein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend zum Abschluss brachte. Der Wandel vom Revolutionär zum Mythographen, vom unbekannten Tonsetzer zum gründerzeitlichen Kunstidol, vom utopischen Bewusstsein zur Beschwörung des Unterganges flankierte dieses Vierteljahrundert. Aus dem ursprünglichen Plan zu der großen Heldenoper „Siegfrieds Tod“, später zur „Götterdämmerung“ umgeformt, schälte sich beizeiten schon die Unabdingbarkeit heraus, die Vorgeschichte zu erzählen, retrogenetisch vom Ende her an den Ursprung zu gelangen; vorbei an Menschentragödien, Riesen- und Drachenkämpfen, Götterkonflikten und Nachtalbenkämpfen zum Grund des Flusses, worin das rote Gold die Strahlen der Sonne reflektiert.

 

Siegfried betritt als Bär die Szene, die in einem verlassenen Schulgebäude angesiedelt ist. Mime hat diesen Ausbildungsort mit Tafel, Globus und Werkbank gewählt, um das göttliche Kind heranwachsen zu lassen. Am Rande steht noch das Gitterbettchen dieses Kindes, aus dem inzwischen ein ungeschlachtes, immer noch ungebildetes Wesen geworden ist, dem das Ressentiment gegen seinen Erzieher gleichsam im Blut sitzt. Wenn er hereinbricht, wirbelt er das Papier in die Luft. Noch später, in der „Götterdämmerung“, wird er despektierlich mit dem geschriebenen Wort umgehen. Der alte Physiksaal ist ihm längst zum Gefängnis geworden, dem er so entrinnen muss wie einst seine Mutter und sein Vater bei ihrer Flucht aus Hundings Waldvilla. Der Wanderer gelangt genau an jenem Ort in diesen Raum, an dem Mime seine vergeblichen Lehrproben abgehalten hat und den Siegfried zutiefst hasst. Die Tücke einer Schultafel scheint unbegrenzt.

 

Das Schmieden des Schwertes geschieht zeitgleich mit dem Verschwinden der Kindheit. Siegfried haut die Stätte seiner frühen Jahre in Stücke. Er zerschlägt seine Kindheit, der mit der Vollendung des Schwertes der zukünftige Mörder des Nibelungen und des Drachen folgt. Dorst notiert: „als er das Schwert „schmiedet“, ist er ein anderer geworden. Kein Kind mehr. Ein Täter, der alles Erlernte verachtet. Sein Gang, seine Schläge sind schwer geworden. Wir werden auch Hans, das heutige Kind erblicken, das es mit Begeisterung dem Helden gleichtun will.“

 

Wird der Held die Furcht erlernen? Er macht sich auf zum Wald, dem – wie Elias Canetti beschrieb – deutschen Symbolraum par excellence. Gleich zu Beginn sehen wir Heutige in Dorsts Drachenwald. Über ihm wölbt sich eine unvollendete Autobahnbrücke. Dort machen sich Arbeiter zu schaffen. Später gesellen sich andere Waldbesucher hinzu. Der Wald: wiederum ein so karger wie heutiger Ort. Nur manchmal verwandelt er sich für eine kurze Zeit und leuchtet auf als romantischer Ort. Ähnlich der Maschinenhalle des „Rheingold“ aber zeitigt auch er Ambivalenz. Unter der Brücke bebt der Waldboden. Hier, unter dem Zivilisationsträger, röhrt der finstere Archaismus die bürgerliche Parole: „Ich lieg und besitz.“

 

Am Ende gelangen wir wieder in den Steinbruch der „Walküre“. Bis auf den Feuerkreis hat sich darin nicht viel verändert. Der Mann Siegfried entdeckt die Frau Brünnhilde, indem er sie – ihr Schild ist inzwischen moosüberzogen – aufdeckt und dabei konstatiert: „Das ist kein Mann.“ Das längste Liebesduett der Operngeschichte hebt an. Erzählen die Klänge nicht zugleich vom Scheitern dieser Liebe?



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